Galerie Gilla Lörcher
Contemporary Art

Iris Musolf | Bockspringen | 7.11. - 11.12.2020

Exhibitions
Artists
News
Publications
Contact


Scroll down for English version

Iris Musolf
Bockspringen
7. November – 11.Dezember 2020
Eröffnung 7. November ab 16 Uhr


Do – Sa 15-18 Uhr und nach Vereinbarung

Galerie Gilla Lörcher | Contemporary Art freut sich sehr, die Solo-Ausstellung „Bockspringen“ von Iris Musolf zu präsentieren.
In der Ausstellung zeigt die Künstlerin ihre jüngst entstandenen harmlos daherkommenden Skulpturen sowie einige sehr poppige Collagen. Iris Musolf, die sich längst einen Namen damit gemacht hat, schonungslos die Strukturen unserer vermeintlich freien und transparenten Gesellschaft zu hinterfragen, legt auch in „Bockspringen“ den Finger in die Wunde: „Welche menschlichen Entwicklungen und Symptome lassen sich an den Oberflächen der Dinge ablesen: an Form, Material, Qualität und Quantität von verfügbaren Konsumartikeln? Welche Abgründe verbergen sich beispielsweise hinter einer mit Luft gefüllten Hülle eines Spielzeugs?“ Iris Musolf lässt uns bei genauerem Hinsehen schockgefrieren. Iris Musolf über ihre Arbeit: “Sex sells. Das ist die Rechtfertigung für alles. Jede Industrie ist Sexindustrie“, so hat es Laurie Penny formuliert. Meine Obsession gilt banalen Werbe -und Wegwerfartikeln, die von einer Welt erzählen, in der optimierte Oberflächen, vordergründiger Spaß, unverbindlicher Sex und bunte Bilder den Ton angeben. Ich suche darin nach Material, das Form für eine düstere Ahnung sein kann, deren Symptom die Körperlichkeit des Menschen ist. Ich beobachte, wie er mehr und mehr kommerzielle Ressource und industrielles Produktionsmittel wird. Der Mensch als Ganzes verschwindet. Er wird zerteilt in Daten, Zugehörigkeiten, Oberweiten, Likes und Leistung. Die Sexindustrie verstehe ich als übersteigerten Ausdruck davon, auch noch die intimsten Wünsche und verletzlichsten menschlichen Bereiche einer optimierten Kontrolle auszusetzen, die in den Dienst von Algorithmen und steuerbaren Produktionsabläufen gestellt wird. Während dessen verschwinden die menschlichen Eigenarten und Differenzen, sie werden versteckt oder aber im Umkehrschluss verehrt und gefeiert. Phantasien werden zu stilisierten Bildoberflächen oder knallbunten Spielzeugen verharmlost und infantilisiert, während auf der anderen Seite deren Extreme immer ausgefallener und grausamer werden. Was ist eigentlich los?

Iris Musolf, geb. 1980 in Hannover. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Die Künstlerin studierte von 2002 bis 2009 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Bogomir Ecker und Candice Breitz (Meisterschülerin) und erwarb den Master of Fine Arts an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Sie erhielt in 2005 das Erasmus-Stipendium für Bildende Kunst (Nizza, Frankreich), in 2008 das Stipendium Intensive Program AKI/ArtEZ, Enschede (Holland) und war in 2011 für das Karl Schmitt-Rottluff- Stipendium, in 2012 für das Stipendium der Jungen Akademie der Bildenden Künste und in 2014 für den Sprengel-Preis nominiert. In 2016 erhielt sie den 1. Preis des Kunst-am-Bau-Wettbewerbs des Bundesamt für Strahlenschutz (Salzgitter).
Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Galerien und Institutionen im In- und Ausland präsentiert, u.a. in (Auswahl): Kunstverein Mannheim, Städtische Galerie (Viersen); Neue Galerie Landshut; Goethe Institut (New York City, USA); Konsumverein Braunschweig; International Video Art Festival (Amsterdam und Starnmeer, Niederlande); Biennale für Junge Kunst Moskau (Tsaritsino Museum Moskau, Russland); Biennale Mulhouse (Frankreich); Art Labor Gallery (Shanghai, China); Galerie Anita Beckers (Frankfurt a.M.); Galerie Perpetuel (Frankfurt a.M.); Galerie Manzara (Istanbul, Türkei) und Galerie Gilla Lörcher I Contemporary Art (Berlin).


English

Iris Musolf
Bockspringen
7 November – 11 Dezember 2020
Opening 7 November from 4 – 8 pm


Thu – Sat 15-18 h and by appointment

Galerie Gilla Lörcher | Contemporary Art is very pleased to present the solo exhibition “Bockspringen” (leapfrog) by Iris Musolf. In the exhibition the artist shows her recently created sculptures which appear quite harmless as well as some Pop inspired collages. Iris Musolf, already well known for questioning the structures of our supposedly free and transparent society, also puts her finger in the wound in “leapfrog”: “Which human developments and symptoms can be read on the surface of things : the shape, material, quality and quantity of available consumer goods? What abysses, for example, are hidden behind an air-filled cover of a toy? ”Iris Musolf lets us freeze to death on closer inspection. Iris Musolf about her work: “Sex sells. That is the justification for everything. Every industry is a sex industry, ”as Laurie Penny put it. My obsession is with banal advertising and disposable items that tell of a world in which optimized surfaces, superficial fun, non-binding sex and colorful pictures set the tone. I am looking for material that can be a form for a gloomy premonition, the symptom of which is the physicality of man. I watch it become more and more a commercial resource and an industrial means of production. The human being as a whole disappears. It is broken down into data, affiliations, bust sizes, likes and performance. I understand the sex industry as an exaggerated expression of subjecting even the most intimate desires and most vulnerable human areas to optimized control that is placed at the service of algorithms and controllable production processes. During this time, the human peculiarities and differences disappear, they are hidden or, conversely, worshiped and celebrated. Fantasies are played down and infantilized into stylized picture surfaces or brightly colored toys, while on the other hand their extremes become more and more unusual and cruel. What's going on?



Pohlstraße 73 | 10785 Berlin
Fon: +49 (0)30 80 61 32 34
info@galerie-loercher.de